ZDK Zertifikatslehrgang Digitale Kommunikation

„Wir müssen kreativer und technisch versierter sein, um unsere kommunikativen Ziele zu erreichen.“

Im Modul 3 des Cusanus Lehrgang wird Niko Formanek zum Thema „Kommuniation mit Influencern“ über seine Erfahrungen als Vlogger berichten. Mit knapp 50 Jahren beschloss Formanek, nach einer erfolgreichen internationalen Karriere als PR-Profi, Wahlkampfberater und Kommunikator noch einmal etwas Neues zu probieren. Er wurde internationaler Stand Up Comedian und bewirbt sich selber über verschiedene digitale Kommunikationsmittel. Weitere Informationen:  www.nikoformanek.com 

Interview mit Niko Formanek

 

  • Herr Formanek, Corona hat scheinbar die ganze Welt verändert. Bewirkt diese Krise für Sie auch eine Veränderung in unserer digitalen Kommunikation?
Formanek: Corona hat die Welt in sehr vielen Bereichen tatsächlich sehr verändert. Aber ich finde gerade im digitalen Bereich nicht so dramatisch, wie alle jetzt meinen. Covid19 hat aber sehr wohl den Trend zur Digitalisierung erheblich beschleunigt. Egal in welchem Lebensbereich, alle haben in Zeiten vom Lockdowns und Einschränkungen die Flucht in die digitale Welt angetreten. Egal ob Online-Handel, Kommunikation in allen Lebensbereichen (von Büro bis hin zu privaten Kontakten) bis hin zu einem massiv verstärkten Angebot von Kunst, Kultur und vielen anderen Events im Netz. Meine persönliches Kommunikationsverhalten hat sich durch Corona kaum verändert. Das liegt aber daran, dass ich schon über Jahre eigentlich vor allem über digitale Kanäle kommuniziere. Was ich während Corona schon erkannt habe, ist, dass viele Inhalte die „live vor Publikum“ erfolgreich sind, im Netz nicht funktionieren. Also, dass man z.B. Bühnenprogramme von Kabarettisten, Lesungen aber auch lebendige Podiums- und Publikumsdiskussionen zwar technologisch digital abwickeln kann, sie meiner Meinung nach aber „im Netz“ nicht wirklich funktionieren.
  • Können Unternehmen aus dieser Krise im Umgang mit der digitalen Kommunikation etwas lernen und falls ja, was?
Formanek: Natürlich können sie das. Unternehmen sollen und müssen aus jeder Krise etwas lernen. Und Corona hat massive Veränderungen in vielen unternehmerischen Lebensbereich gebracht. Was wir alle, und da natürlich auch Unternehmen, lernen sollten, ist, wie man welche digitalen Technologien und Kommunikationstool wann am besten und erfolgreichsten einsetzt. Digitale Kommunikation ist im Prinzip ja nur die Umschreibung für ein anderes Medium. Man unterschätzt aber, dass das Medium die erfolgreiche Kommunikation bestimmt. Ich kann selbst bei WhatsApp nicht einfach genauso und im gleichen Stil kommunizieren wie im persönlichen Gespräch. Wie ich meine Ideen und Inhalte präsentiere, muss auf den jeweiligen Kanal, auch auf das Zielpublikum des Kanals bzw. der Plattrom passen. Plötzlich müssen wir uns alle auch mit Kameras, Licht, Ton, Perspektiven und vielen Rahmenbedingungen auseinandersetzen, die erfolgreiche Kommunikation in der „digitalen Welt“ ermöglicht. Wir müssen viel flexibler, auch kreativer und auch technisch versierter sein, um auf all diesen Plattformen unsere kommunikativen Ziele zu erreichen. Und das ist nicht einfach. Zumindest solange, bis wir soweit sind, dass digitale Avatare die Kommunikation für uns perfekt übernehmen und wir tatsächlich nur mehr die Inhalte steuern und einbringen. So wie es auf Instagram inzwischen Avatare gibt, die im Schnitt weit erfolgreicher sind als tatsächlich „menschliche Instagramer“.  Alles wird wohl möglich..
  • Was fasziniert Sie persönlich an der digitalen Kommunikation?
Formanek: Das kann ich ganz klar beantworten. Das ich mir mein Publikum selbst suchen, aufbauen und mit ihm interagieren kann ohne einen „Vermittler“ haben zu müssen. Ich bin inzwischen 55 Jahre alt und hätte während meines US-Studiums davon geträumt, Videos, Texte und Audio einfach so auf eine Plattform zu stellen und mir mein Publikum zu erarbeiten. Damals haben wir große schwere Ledermappen mit ausgeschnittenen Zeitungsartikeln an Tageszeitungen geschickt, in der Hoffnung dass sich dort irgendjemand die Zeit nimmt und sie ansieht, vielleicht positiv reagiert und einem zu einem Jobinterview einlädt. Oder – im worst case – zumindest die Mappe wieder zurückschickt, weil die ziemlich teuer war.  Heute kann ich als kreativer junger Mensch, aber auch als Best Ager so wie ich, meine Inhalte auf unzähligen Plattformen präsentieren. Und wenn ich dazu auch noch lerne wie man auf solchen Plattformen nicht  nur kreativ und kommunikativ erfolgreich ist, sondern verstehe, wie man dort Vermarktung und Werbung erfolgreich umsetzt, dann habe ich zumindest eine Chance erfolgreich zu werden. Kein „Vermittler /  Redakteur / Personalchef“ kann mich davon abhalten. Im Gegenteil, inzwischen suchen sich die „traditionellen“ Plattformen ihre nächsten  Projekte und Stars in der digitalen Welt und versuchen sie dann mit ihren Erfolgen in die analoge Welt zu transferieren. Was, ohne dass mich das jetzt überraschen würde, selten funktioniert.
  • Wie hat die digitale Kommunikation unser aller Leben prinzipiell verändert?
Formanek: Als jemand der im Jahr 1965 geboren wurde kann ich nur sagen: es hat zumindest mein Leben völlig verändert. Ich bin sehr glücklich und froh, dass ich diese Welt noch erleben darf. Ich genieße sie, ich versuche sie sinnvoll zu nutzen und freue mich über jeden, den ich über Facebook, YouTube und andere Kanäle erreichen kann. Und auch mit den negativen Folgen wie kleineren Shitstorms, böse Kommentare und „Daumen runter“ kann ich gut leben. Die Möglichkeiten und das Potential die mir diese Plattformen als kreativer Mensch bieten, und hoffentlich noch bieten werden, sind die negativen Nebenerscheinungen zumindest für mich wert. Wir werden alle lernen müssen damit umzugehen, aber ich möchte die Freiheit und Chance meinen eigenen „Sender“ zu bespielen nicht mehr aufgeben. Dafür darf man mich auch kritisieren und beleidigen. Denn eines ist auch klar: Man kann mich digital nicht wirklich schwer treffen, denn mein wirkliches Leben mit den Menschen die mir wichtig sind, ist schön und immer da. Ganz real und nicht virtuell. Das ist was zählt.
  • Vielen Dank für das Interview!
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