ZDK Zertifikatslehrgang
Digitale Kommunikation

Die Transformation hin zur digitalen Kommunikation ist mit der Corona-Krise noch lange nicht abgeschlossen.

Im Zertifikatskurs Digitale Kommunikation referiert Dr. Gerhard Rettenegger zum Thema „Videodrehen mit dem Smartphone “. Rettenegger leitete das “Future Lab Online” im ORF Salzburg, das sich mit der Zusammenführung der “alten” Massenmedien” mit dem “neuen” Internet befasste und ist heute Moderator und Bereichsverantwortlicher der Früh-Nachrichtenjournale im Radio Salzburg. Darüberhinaus beschäftigt er sich intensiv mit der Zukunft von Journalismus und Medien. Sein privater Weblog www.medienzukunft.info ist das Notizbuch dafür. 

Interview mit Gerhard Rettenegger

 

• Herr Rettenegger, wie hat die digitale Kommunikation unser aller Leben prinzipiell verändert?

Rettenegger: Die größte Veränderung liegt meiner Meinung nach darin, dass im Internet jeder Nutzer und jede Nutzerin die Möglichkeit hat mit der digitalen Öffentlichkeit, mit den Communities zu kommunizieren. Das Monopol von Journalistinnen und Journalisten viele Menschen gleichzeitig zu erreichen, ist mit dem Internet, vor allem mit den sozialen Netzwerken gebrochen.

Diese Möglichkeit führt zu einer Flut an Informationen. Das Internet kennt keine Sendezeiten wie Radio und Fernsehen und keine Erscheinungsintervalle wie bei Printprodukten. Das Internet ist daueraktuell, der Strom an Informationen reißt nie ab.

Diese Informationsflut hat zu Selektionskriterien bei den Medienkonsumentinnen und Medienkonsumenten geführt, mit denen sie Überforderung verhindern und Nutzungszeit in Kommunikationskanälen in Grenzen halten wollen. Das Ergebnis: Meist zählt nicht mehr der Informationswert, sondern die Aufmerksamkeit, die eine Botschaft bei den Nutzerinnen und Nutzern weckt. Dessen müssen sich alle Creator bewusst sein.

• Was fasziniert Sie persönlich an der digitalen Kommunikation?

Rettenegger: Das ist ganz klar die Möglichkeit jederzeit sehr einfach mit vielen Menschen in Verbindung treten zu können. Auch mit meinen Steckenpferden, für die in meinem Brotberuf als Radio- und Fernsehjournalist kein Platz zur Veröffentlichung ist. Stichworte: Blog, Podcast, Mobile Reporting, dabei vor allem Videoproduktion mit dem Smartphone.

Faszinierend ist auch, dass die Entwicklung der digitalen Kommunikation noch nicht abgeschlossen ist. Im Gegenteil! Wir sind mittendrin in einem Transformationsprozess, in dem jetzt und wohl auch in den nächsten Jahren noch vieles hybrid läuft: Print und digital, Fernsehen und Streaming, Radio und Podcast nebeneinander.

Dazu gehört auch die Frage: Wie erreiche ich Nutzerinnen- und Nutzergruppen, die für die klassischen Medien verloren scheinen? Wie weit können wir diese Menschen durch Empathie, Emotionalität und Interaktion erreichen? Pionierprojekte wie die „News-WG“ des Bayerischen Rundfunk oder „die_Chefredaktion“ von Melisa Erkurt sind spannend.

• COVID-19 hat die ganze Welt verändert. Wie verändert die Krise unsere digitale Kommunikation?

Rettenegger: Die Pandemie hat dem Gemeinschaftswesen Menschen schmerzlich klar gemacht, wie es ist soziale Kontakte zu meiden und Abstand zu halten, um mitunter tödlich endende Ansteckungen zu vermeiden. Eine rhetorische Frage mag die gestiegene Bedeutung der digitalen Kommunikation verdeutlichen: Was wäre gewesen, wenn wir in Zeiten von Homeoffice keine Möglichkeit zu Online-Konferenzen gehabt hätten?

Nach fast zwei Jahren mit Einschränkungen der sozialen Kontakte zeigt sich neben der Gewöhnung an die digitale Kommunikation bei vielen Mitmenschen auch so etwas wie „digital fatigue“, der Wunsch, wieder „analog“ kommunizieren zu können. Wie in der Zeit vor der Pandemie.

Wir wissen: Diese Zeit wird nicht wiederkommen. Ich bin mir ganz sicher, dass auch in Zukunft, wenn Corona seinen Schrecken verloren und die Einschränkungen Vergangenheit sind, digitale Kommunikation nicht an Bedeutung verlieren wird. Nicht zuletzt weil dadurch bei Dienstreisen sowie Büroflächen viel eingespart werden kann.

Aber ernsthafte Prognosen über das wie und wieviel sind mangels Kristallkugel nicht möglich…

• Können Unternehmen aus dieser Krise im Umgang mit der digitalen Kommunikation etwas lernen und falls ja, was?

Rettenegger: Hoffentlich zeigen die Erfahrungen aus der Corona-Zeit den Unternehmerinnen und Unternehmern, was an Werkzeugen der digitalen Kommunikation sinnvoll ist und was eher hinderlich. Sie werden entscheiden müssen, in welchen Bereichen digitale Kommunikation hilfreich ist und wo die „alten, analogen“ Arbeitsprozesse ersetzt werden können.

Aber nicht nur der Blick zurück, aus den Erfahrungen zu lernen, ist wichtig. Es geht darum im Auge zu behalten, was auf uns zukommt. Für viele noch abstrakte Entwicklungen wie synthetische Medien, Augmented Reality (AR), Künstliche Intelligenz (KI oder AI) oder die visuelle Kommunikation in den unterschiedlichen Vertriebskanälen brauchen unsere Aufmerksamkeit und auch ein gehöriges Maß an Pioniergeist und Risikobereitschaft, um die Zukunft der digitalen Kommunikation nicht anderen zu überlassen.

• Danke für das Interview!